Toggenburger
Die Toggenburger Ziege stammt ebenfalls aus der Schweiz, und zwar aus dem Kanton St. Gallen. Dort ist sie zumindest seit dem Ende des 18. Jahrhunderts als Rasse bekannt, allerdings bei weitem noch nicht so einheitlich durchgezüchtet wie heute. Bis zu Anfang des 20. Jahrhunderts traten auch neben der heute spezifischen "Toggenburgerfärbung" anders gefärbte Tiere auf. Heute macht diese Rasse insgesamt ca. 17 % des Schweizer Gesamtziegenbestandes aus und wird besonders im Bereich der Zentralschweiz gehalten. Die Toggenburger Ziege wurde auch vergleichsweise lange in beiden Geschlechtern gehörnt gezüchtet.
Mit der Selektion auf Hornlosigkeit traten die damit verbundenen Probleme von Intersexen und Zwittern auf. Die in Großbritannien hochgeschätzte British Toggenburg erlaubte und bevorzugte aus diesem Grund oft sogar Hornträger.
xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />xml:namespace prefix = o />Die Toggenburger Ziege wurde auch in anderen Ländern eingeführt. In Nordamerika spielt sie bis heute eine große Rolle. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Toggenburger Ziege nach Thüringen gebracht und in die Thüringer Landziege eingekreuzt. Durch Verdrängungskreuzung entstand die Thüringer Toggenburgerziege, die 1935 die Bezeichnung Thüringer Waldziege erhielt, weil man im Hitlerreich den Namen Toggenburger für eine deutsche Rasse nicht duldete. – Man beachte, daß den Engländern dagegen die Bezeichnung British Toggenburg nie Probleme bereitet hat. Die Thüringer Waldziege entspricht der Toggenburger Ziege weitgehend, ist heute aber stark vom Aussterben bedroht. Bemühungen der letzten Jahre haben ihren Bestand erfreulicherweisewieder etwas anwachsen lassen. So wie die Toggenburger in Nordamerika ist auch die Thüringer Waldziege ausschließlich kurzhaarig gezüchtet worden.
Rassecharakteristika:
Die Farbe der Toggenburger Ziege wird mit hellbraun bis mausgrau angegeben. Der Vergleich mit Milchkaffee, oder besser noch mit Trinkschokolade, trifft die charakteristische Farbe vielleicht noch besser. Die Ohren sind heller gefärbt. Vom Ohrgrund bis zur Mundregion verläuft oberhalb der Augen der auch für andere Ziegenrassen und die Bezoarziege charakteristische, fast weiße "Strahl". Auch die Mund-Nasenregion und die unteren Regionen der Extremitäten (distal vom Carpal- und Tarsalgelenk) sowie die Unterseite des Schwanzes und die Umgebung von After und Genitalien sind fast weiß gefärbt. Die Toggenburger Ziege hat im Bereich des Rückens, aber auch seitlich am Rumpf und an den Schultern, besonders aber im Bereich der Hinterextremitäten ein verlängertes Haarkleid. Die Körperregionen mit verlängertem Haarkleid erscheinen durch die damit verbundene Verdünnung des Pigments im Vergleich zu den normal behaarten Partien etwas heller. Es wird bei diesem Behaarungstyp von einer Mantelbildung gesprochen. Das verlängerte Haarkleid verleiht einen besseren Schutz vor ungünstigen Witterungseinflüssen, denn es wirkt nicht nur thermoregulierend. Die verlängerten, dachziegelartig übereinander liegenden Grannenhaare bewirken auch ein besseres Herabrieseln von Regen und Schnee. Aus hygienischen Gründen werden jedoch die Toggenburger in Nordamerika aber auch in der Form der Thüringer Waldziege kurzhaarig gezüchtet. Diese Tendenz setzt sich in der letzten Zeit teilweise auch in der Schweiz durch. Man findet dort bereits eine Reihe von Toggenburger Ziegen, die vorrangig nur noch im Bereich der Hinterextremitäten länger behaart sind (= Hosenbildung).
Körpermaße:
| Bock | Geiß |
| Widerristhöhe | 75 - 85 cm | 70 - 80 cm |
| Körpermasse | 65 - 75 kg | 45 - 50 kg |
Milchleistung: durchschnittlich 700 bis 800 kg Milch in 280 Melktagen, teilweise auch erheblich darüber.In Österreich hat die ÖNGENE die Toggenburger Ziege aus den gleichen Gründen wie die Saanenziege in die Aufstellung der zu fördernden gefährdeten Hausziegenrassen aufgenommen, obwohl sie im Mutterland bislang nicht als gefährdet gelten kann.